Beethovenfest Bonn's posterous

Beethovens Brief an die Unsterbliche Geliebte

Zum Valentinstag der Originaltext: Ewig mein, ewig dein, ewig uns!

Beethoven an eine unbekannte Adressatin [Teplitz, 6./7. Juli 1812]

am 6ten Juli Morgends. –

Mein Engel, mein alles, mein Ich. - nur einige Worte heute, und zwar mit Bleystift (mit deinem) - erst bis morgen ist meine Wohnung sicher bestimmt, welcher Nichtswürdiger Zeitverderb in d.g. - warum dieser tiefe Gram, wo die Nothwendigkeit spricht - Kann unsre Liebe anders bestehn als durch Aufoperungen, durch nicht alles verlangen, kannst du es ändern, daß du nicht ganz mein, ich nicht ganz dein bin - Ach Gott blick in die schöne Natur und beruhige dein Gemüth über das müßende - die Liebe fordert alles und ganz mit Recht, so ist es mir mit dir, dir mit mir - nur vergißt du so leicht, daß ich für mich und für dich leben muß, wären wir ganz vereinigt, du würdest dieses schmerzliche eben so wenig als ich empfinden - meine Reise war schrecklich ich kam erst Morgens 4 uhr gestern hier an, da es an Pferde mangelte, wählte die Post eine andre Reiseroute, aber welch schrecklicher Weg, auf der vorlezten Station warnte man mich bey nacht zu fahren, machte mich einen Wald fürchten, aber das Reizte mich nur – und ich hatte Unrecht, der Wagen muste bey dem schrecklichen Wege brechen, grundloß, bloßer Landweg, [durchgestrichen: und di] ohne 2 solche Postillione, wie ich hatte, wäre ich liegen geblieben Unterwegs. – Esterhazi hatte auf dem andern gewöhnlichen Wege hierhin dasselbe schicksaal, mit 8 Pferden, was ich mit vier. – Jedoch hatte ich zum Theil wieder vergnügen, wie immer, wenn ich was glücklich überstehe. – nun geschwind zum innern vom aüßern, wir werden unß wohl bald sehn, auch heute kann ich dir meine Bemerkungen nicht mittheilen, welche ich während dieser einigen Tage über mein Leben machte – wären unsre Herzen immer dichtan einander, ich machte wohl keine d.g. die Brust ist voll dir viel zu sagen – Ach – Es gibt Momente, wo ich finde daß die sprache noch gar nichts ist – erheitre dich – bleibe mein Treuer einziger schaz, mein alles, wie ich dir das übrige müßen die Götter schicken, was für unß seyn muß und seyn soll. –

dein treuer ludwig. –

Abends Montags am 6ten Juli –

Du leidest du mein theuerstes Wesen - eben jezt nehme ich wahr daß di eBriefe in aller Frühe aufgegeben werden müßen. Montags - Donnerstags - die einzigen Täge wo die Post von hier nach K. geht - du leidest - Ach, wo ich bin, bist du mit mir, mit mir und dir rede ich mache daß ich mit dir leben kann, welches Leben!!!! so!!!! ohne dich - Verfolgt von der Güte der Menschen hier und da, die meyne - eben so wenig verdienen zu wollen, als sie zu verdienen - Demuth des Menschen gegen den Menschen - sie schmerzt mich - und wenn ich mich im Zusammenhang des Universums betrachte, was bin ich und was ist der - den man den Größten nennt - und doch - ist wieder hierin das Göttliche des Menschen - ich weine wenn ich denke daß du erst wahrscheinlich Sonnabends die erste Nachricht von mir erhältst - wie du mich auch liebst - stärker liebe ich dich doch - doch nie verberge dich vor mir -g ute Nacht - als Badender muß ich schlafen gehen - [durchgestrichen: o geh mit, geh mit -] Ach gott - so nah! so weit! ist es nicht ein wahres HimmelsGebaüde unsre Liebe - aber auch so fest, wie die Veste des Himmels. -

guten Morgen am 7ten Juli –

schon im Bette drängen sich die Ideen zu dir meine Unsterbliche Geliebte, hier und da freudig,
dann wieder traurig, vom Schicksaale abwartend, ob es unß erhört – leben kann ich entweder nur ganz mit dir oder gar nicht, ja ich habe beschlossen in der Ferne so lange herum zu irren, bis ich in deine Arme fliegen kann, und mich ganz heymathlich bey dir nennen kann, meine Seele von dir umgeben in’s Reich der Geister schicken kann – ja leider muß es seyn – du wirst dich fassen um so mehr, da du meine Treue gegen dich kennst, nie eine andre kann mein Herz besizen, nie – nie – O Gott warum sich entfernen müßen, was man so liebt, und doch ist mein Leben in V.[ien] so wie jezt ein kümmerliches Leben – Deine Liebe macht mich zum glücklichsten und zum unglücklichsten zugleich – in meinen Jahren jezt bedürfte ich einiger Einförmigkeit Gleichheit des Lebens – kann diese bey unserm Verhältniße bestehn? – Engel, eben erfahre ich, daß die Post alle Tage abgeht – und ich muß daher schließen, damit du den B. gleich erhältst – sey ruhig, nur durch Ruhiges beschauen unsres Daseyns können wir unsern Zweck zusammen zu leben erreichen – sey ruhig – liebe mich – heute – gestern – Welche Sehnsucht mit Thränen nach dir – dir – dir – mein Leben – mein alles – leb wohl – o liebe mich fort – verken[ne] nie das treuste Herz deines Geliebten

L.

ewig dein
ewig mein
ewig unß

> Quelle

Wer die Adressatin des Briefes war, gibt bis heute Rätsel auf... Mögliche Kandidatinnen:

Josephine_brunsvik
Josephine Brunsvik
Antonie_brentano
Antonie Brentano

 

Schülermanager-Projekt 2012

Die  neuen Schülermanager des Jungen Beethovenfestes sind da!

Dsc03523
Auch in diesem Jahr startet das Schülermanager-Projekt des Jungen Beethovenfestes wieder ein gutes halbes Jahr vor dem eigentlichen Festival im Herbst. Denn bis dahin gibt es für das neue Team noch einiges zu tun: Eines der über sechzig Konzerte des Beethovenfestes Bonn 2012wird komplett von den Schülermanagern organisiert – begleitet werden sie dabei von den Mitarbeitern des Beethovenfestes Bonn.

Das Projekt geht 2012 in die vierte Runde und hat seit dem ersten Durchlauf in 2009 schon einige Erfolge erzielt. So haben die Schülermanager des Jungen Beethovenfestes den Kinder zum Olymp!-Preis 2009/2010 der Kulturstiftung der Länder erhalten und wurden Bundespreisträger im Wettbewerb „365 Orte im Land der Ideen“ 2011.

In diesem Jahr sind zehn Schüler von neun verschiedenen Schulen aus Bonn und Umgebung dabei, die in den nächsten Monaten einen umfassenden Einblick in die Festivalorganisation bekommen werden. Je nach gewähltem Schwerpunkt aus den Bereichen Intendanz, klassisches Marketing, Online-Marketing, Presse und Künstlerisches Betriebsbüro werden die 14-18-Jährigen Künstler- und Sponsorengespräche führen, eine Marketingstrategie entwickeln, Flyer und Plakate entwerfen und verteilen, eine Website gestalten, Pressemitteilungen schreiben, die Künstler betreuen und für den reibungslosen Ablauf des Konzerts sorgen.

Was genau in diesem Jahr auf dem Programm steht, wird erst auf der Pressekonferenz des Jungen Beethovenfestes, die natürlich auch von den Schülern selbst organisiert und gestaltet wird, im Frühjahr verraten…

Das Team des Beethovenfestes Bonn freut sich auf eine spannende und intensive Zeit!


Das Junge Beethovenfest bei The Art of Music Education III

Img_0259_hamburg_tagung

Das Zitat ist inzwischen legendär: "Wer Musikschulen schließt, gefährdet die Innere Sicherheit", hatte Otto Schily vor einigen Jahren als damaliger Bundesinnenminister betont. Auch auf dem Symposium "The Art of Music Education" unterstrich Schily noch einmal die wichtige Funktion von Musikerziehung für die menschliche, aber auch die gesellschaftliche Entwicklung.

Musikvermittler aus ganz Europa trafen sich vom 25. bis 27. Januar 2012 auf Einladung der Körber-Stiftung zum Symposium The Art of Music Education III in Hamburg. In einer Reihe von Vorträgen wurden unterschiedliche Modelle der musikalischen Vermittlungsarbeit präsentiert. Daneben boten zahlreiche Kaffeepausen die Möglichkeit, sich mit Musikvermittlern aus ganz Europa zu vernetzen und sich für die Entwicklung neuer Educationformate inspirieren zu lassen.

Ein erster Höhepunkt war der Vortrag von Otto Schily. Darin erwies er sich als Kenner der Kulturszene in Deutschland und leidenschaftlicher Verfechter der gesellschaftlichen Anerkennung der Arbeit der Kulturinstitutionen.

Für uns Musikvermittler bot das Symposium die Möglichkeit, auf engem Raum und mit relativ überschaubarem zeitlichem Aufwand großflächig über den eigenen Tellerrand zu schauen und gleichzeitig die eigene Arbeit besser einschätzen zu können.

In sogenannten World-Cafés diskutierten die Teilnehmer in moderierten Gesprächsrunden  über Möglichkeiten, wie Kulturinstitutionen in den gesellschaftlichen Kontext eingebunden werden können.

Nach drei Tagen schloss das Symposium mit der Besichtigung der Baustelle der Elbphilharmonie in Hamburg und beschrieb so eindrücklich den Bogen von Idee, Inspiration, Umsetzung und letztlich auch Schwierigkeiten beim Erreichen der gesteckten Ziele.

Lena Geisen, Helmut Seidenbusch, Junges Beethovenfest Bonn

„Ne weltklasse Konzertsaal wör unser jrößte Freud…“

Bönnsche Lieder für „Dat Fesspillhaus“

Booklet_festspielhaus_rz_01a

Im Rheinland befinden wir uns in der 5. Jahreszeit, die im Straßenkarneval ab Weiberfastnacht am 16. Februar ihren Höhepunkt findet. Im Karneval 2010 präsentierte sich der LudwigsChor des Beethoven Orchester Bonn mit dem Lied „Fesspielhaus“. Nun gibt der LudwigsChor in Zusammenarbeit mit City Marketing Bonn eine CD heraus, die ab kommender Woche bei allen Veranstaltungen des Beethoven Orchesters Bonn, der Bürger für Beethoven, der Fest.Spiel.Haus.Freunde sowie bei vielen Partnern der Citymarketing Bonn e.V.  für 8,95 Euro erhältlich ist. Und da es im „Fesspielhaus“ heißt „Ne weltklasse Konzertsaal wör unser jrößte Freud…“ gehen 5 Euro pro CD als Spende für das Festspielhaus an den Beethoven Festspielhaus Förderverein e.V.

Die erste Gesamtaufnahme des Ludwigchores vereint sechs Lieder des Chores, meist im Arrangement für großes Orchester und kleinen Chor. Humorvoll verarbeitet Volker Kriegsmann, Oboist im Beethoven Orchester, in seinen Texten auf Bönnsch die Lokalpolitik, das bönnsche Leben und Brauchtum und den Orchesteralltag.

Mehr Informationen gibt es auf der Website des Ludwigchores www.ludwigschor.de, wo man auch schon mal in die CD reinhören kann.

Patricia Kopatchinskaja zu Gast beim Beethovenfest Bonn

Music should be fun sometimes.

Kopatchinskajapatricia3_c_marcoborggreve_amsterdam_web
„Man geht hin und man spielt – und dann schaut man, was passiert.“ Dieser Satz der Geigerin Patricia Kopatchinskaja über Konzerte mag entspannt klingen. In Wirklichkeit aber offenbart er ihre Überzeugung von der Einmaligkeit und Unwiederholbarkeit von Musik, die genau in dem Moment des Konzerts entsteht. Eine zweite Chance gibt es nicht. So sieht Kopatchinskaja sich – ungeachtet ihrer preisgekrönten Aufnahmen für das Label Naïve – weiterhin vor allem als Live-Künstlerin, die sich dem Dialog mit dem Publikum und mit den Noten immer wieder aufs Neue stellt. Die 1977 in Moldawien geborene Musikerin, die in frühen Jahren auch viel selbst komponiert hat, gilt als urtümlich, wild und unkonventionell. Sie spielt gern barfuss, verabscheut Schönspielerei und sucht vor allem nach den Emotionen in der Musik. Da kann es schon mal vorkommen, dass sie sich mit dem  Pianisten Fazil Say beim Proben einer Prokofjew-Sonate  tagelang über zwei Töne streitet, weil sie sie keinesfalls „schön“ spielen möchte. Bogengeräusche, Kratzen, Scharren, Knarzen – all das gehört zur Musik dazu, wenn es darum geht, die Geschichte eines Stückes zu erzählen.

Kopatchinskaja stammt aus einer Musikerfamilie, die Mutter selbst Geigerin, der Vater ein bekannter Zymbalspieler, die nach ihrer Emigration nach Wien ganz neu anfangen musste. Die Hochbegabte hat sich durchgebissen, beschreibt aber ihre Kindheit in Moldawien als Kern ihrer selbst. Heute ist sie good-will Botschafterin der Stiftung "Terre des Hommes" und unterstützt speziell Hilfsprojekte für notleidende Kinder in Moldavien.

Beim Beethovenfest war Patricia Kopatchinskaja schon 2010 im Trio mit Sol Gabetta und Henri Sigfridsson und hatte Beethoven und Schumann im Gepäck. In diesem Jahr kehrt sie mit einem Violinkonzert eines ihrer Lieblingskomponisten, György Ligeti, als Solistin zurück. Schon immer hat sie sich für zeitgenössische Musik begeistert und präsentiert am 17.9.2012 in der Beethovenhalle auch den Kompositionsauftrag von Salvatore Sciarrino für das Beethovenfest Bonn.

Music should be fun sometimes, schreibt sie selbst auf ihrer Website und verweist auf Telemanns Worte:

"Nein, nein es ist nicht g'nug dass nur die Noten klingen
Dass Du der Regeln Kram zu Marckte weist zu bringen.
Gieb jedem Instrument das was es leyden kann.
So hat der Spieler Lust, Du hast Vergnügen dran."

Wir freuen uns schon jetzt auf ein lustvolles Konzert!

Zur Überbrückung der Wartezeit: > Porträt der Künstlerin bei ttt- Titel, Thesen, Temperamente.

Filed under  //   Beethovenfest   Kopatchinskaja  

Kent Nagano zu Gast beim Beethovenfest Bonn 2012

Sanfter Schallwellenreiter
Kent Nagano gibt mit dem Bayerischen Staatsorchester zwei Konzerte beim Beethovenfest Bonn 2012

Von Thilo Komma-Pöllath

Nagano_kent_2_c_nicolas_ruel_2009
Foto: Nicolas Ruel

Maestro. Schon allein dieses Wort, bei dem alles Mögliche mitschwingt, nur selten etwas harmonisches. Macht und Genius und Selbstverliebtheit. Und dann zieht sich Kent Nagano plötzlich die Schuhe aus. Es ist sieben Uhr morgens, der erste Flug von Berlin nach München. Am Vorabend hat Nagano mit dem Orchester der Bayerischen Staatsoper in der Philharmonie die Neunte von Bruckner gegeben. Und jetzt sitzt er in Reihe 18, Holzklasse, links und rechts neben ihm Tochter Karin und Gattin Mari. „In der Business Class können wir nicht alle nebeneinander sitzen. Wenn wir schon mal zusammen reisen, dann lassen wir uns auch nicht trennen“, sagt Nagano. Er streift sich die braunen Lederslipper von den Füßen, um es sich bequem zu machen. Soweit das in der Enge überhaupt geht. Er trägt ein weiß-blau gerautetes Hemd, ein typisches Understatement des Weltstars für seine geliebte Wahlheimat München. Es hat wohl selten einen gefeierten Dirigenten gegeben, der mit weniger Ego auskommt. Am 15. September gastiert der Wilhelm Furtwängler-Preisträger von 2010 mit Schubert, Bruckner und dem Staatsorchester beim Beethovenfest in Bonn.

Ende November feierte Kent Nagano im kleinsten Kreis seiner Familie in Norwegen seinen 60. Geburtstag, es dürften auf Sicht die letzten ruhigen Tage für den Amerikaner gewesen sein, der seit 2006 Generalmusikdirektor an der Bayerischen Staatsoper ist. Kurz vor Weihnachten begannen die Proben für den Ring des Nibelungen, Wagners Groß-Epos, das Nagano in seiner letzten Saison 2012/2013 in einer Neuinszenierung auf die Bühne der Münchner Oper bringen wird. Es ist sein Abschiedsgeschenk an die Stadt, die seit seiner Kindheit eine besondere Magie auf ihn ausübt und die er dann nach sieben Jahren verlassen wird. Warum, dazu hat er sich nie öffentlich geäußert, doch die Ränkespiele im Hintergrund haben ihn mürbe gemacht, soviel scheint sicher. „Macht interessiert mich nicht. Ich fühle mich für die Musik und meine Musiker verantwortlich, das ist etwas ganz anderes“, erklärt Nagano seine Form des Leaderships, das immer ohne die ganz große Geste ausgekommen ist. Da kann er seine zurückhaltenden japanischen Wurzeln kaum verleugnen. Nagano, das ist die analytische, abgespeckte auf das wesentliche reduzierte Essenz der Musik. Und doch: Im barocken München hätten sie gerne auch mal einen opulenten Mainstream-Verdi oder Puccini gesehen, aber dafür ist Nagano ein zu großer Feingeist als dass er sich apodiktischen Intendantenwünschen oder Zeitgeist-Trends einfach so unterwirft. „Ich kämpfe für meine Überzeugungen“, sagt Nagano. „Aber wenn du deine eigenen Werte verschiebst, weil die aktuellen Trends gerade andere sind, dann ist das problematisch.“

Nagano ist in vielen Dingen anders als andere Pultstars seiner Generation. Ein empathischer Charakter, einer, der neugierig ist auf die Menschen, die ihm zuhören und die Wirkungsmacht von Musik („Musik ist die machtvollste Sprache, die wir haben“). In München liebt es Nagano mit seiner Tochter durch den Englischen Park zu spazieren und unmittelbar den Kontakt zu seinem Publikum zu suchen. Er ist stolz darauf, dass er in ihre Gemeinschaft aufgenommen wurde und nennt es „das ehrlichste Publikum, das es gibt“. In Montreal, wo Nagano parallel Musikdirektor des Orchestre Symphonique de Montreal ist, hat er sich seit Jahren für einen neuen, eigenen Konzertsaal eingesetzt, den er als offene Begegnungsstätte zwischen Musikern und Publikum begreift. Anfang September öffnete der 200 Millionen Dollar-Klangkörper trotz vieler Widerstände seine Pforten – vor allem dank Nagano. Oder vor drei Jahren, als auf seine Initiative hin das Orchester aus Montreal die Nunavik-Eskimos im Norden Kanadas besuchte und ihnen Mozarts „Kleine Nachtmusik“ vorspielte, obwohl diese nie zuvor sinfonische Musik gehört hatten. Er musste erst eine Art Teufelsaustreibung über sich ergehen lassen, bis die Stammesvorderen bereit waren, ihm zu zuhören. „Ich habe gesagt, wenn man sich in klassische Musik verlieben soll, dann geht das nur mit Mozart“, erinnert sich der stille Maestro. „Nach dem Konzert sind die Menschen ganz aufgewühlt zu mir gekommen und haben sich bedankt. Sie haben gesagt: `Wir wissen nicht, wer dieser Mozart sein soll, aber er klingt wahnsinnig toll!“

Grenzen haben Nagano, der an der Elite-Universität in Berkeley Musik und Soziologie studiert hat, nie interessiert. Keine geschmäcklerischen, keine musikalischen, keine gesellschaftlichen. Er hat mit Placido Domingo genauso kollaboriert wie mit Punk-Rocker Frank Zappa. Er liebt die Säulenheiligen des Münchner Barock wie Orlando di Lasso, Richard Strauss und Richard Wagner genauso wie Zeitgenössisches von Olivier Messiaen, dessen Schüler Nagano war und der ihn nach Europa holte. Wenn Karajan oder Zubin Metha die Hierarchie zwischen Dirigent und Orchester zementierte, löst Nagano diese Kluft, weil er sie für unproduktiv hält, wieder auf. In München duzt er jeden einzelnen Musiker, als Nagano in den 90ern Chef der Los Angeles Philharmonic war, ging er mit Orchestermitgliedern nach den Proben zum Surfen. „Im Meer herrscht völlige Gleichheit, ganz egal, ob du ein erfolgreicher Dirigent oder ein Straßenmusikant bist. Das gemeinsame Surfen hat uns persönlich und musikalisch so viel näher gebracht, als wenn wir nur miteinander gearbeitet hätten.“ Nagano, der als Sohn eines Artischockenbauers an der amerikanischen Westküste aufgewachsen ist, zieht aus der Natur die Energie für seine Kunst. Nur mit dem Surfen dürfte sich der sanfte Schallwellenreiter bei seinem Gastspiel am Rhein etwas schwer tun.

Ein Schülerpraktikum beim Beethovenfest Bonn

Alena Altmann berichtet über ihre erste Woche beim Beethovenfest:

Meine erste Woche als Schülerpraktikantin beim Beethovenfest Bonn

Nach endloser Suche im Internet nach einem Praktikumsplatz im Bereich Eventmanagement, fand ich durch Zufall den Link der Website von Beethovenfest Bonn.  Wie sich dann herausstellte war es der perfekte Klick, den ich macht, als ich die Seite öffnete. Ich surfte ein bisschen auf der Seite herum und fand die Homepage des Jungen Beethovenfestes Bonn, wo ich mich informierte, ob es überhaupt möglich wäre ein Schülerpraktikum zu machen. Es lief alles ziemlich gut, ich sendete ein paar Unterlagen von mir und wurde zum Vorstellungsgespräch eingeladen.  Die Tage nach dem Gespräch kamen mir so lang und niemals endend vor, ich wollte unbedingt ein Praktikum beim Beethovenfest machen , jedoch musste ich noch auf die erlösende E-Mail warten, in der zum Glück stand, dass es klappen würde. 
Anfangs bekam ich eine Einführung in das tägliche Geschehen hier. Mir wurden die verschiedenen Tätigkeiten der Arbeitsbereiche erklärt, ich durfte überall mal reinschauen und bekam meine ersten Aufgaben. Bisher habe ich ein bisschen bei Facebook, Youtube und Twitter recherchiert und versucht einen Wikipedia  Artikel zu verfassen, was eigentlich relativ gut funktioniert hat. Mir wurde erklärt nach welchen Kriterien Videos bei Youtube, die auf der Website verlinkt werden sollen, ausgewählt werden und wie man sie dann dort eingefügt.  Außerdem durfte ich ein bisschen an der aktuellen Website rummeckern.
Jetzt, nach einer Woche, kann ich sagen, dass das ganze Team hier super ist und ich mich jeden Morgen auf einen neuen Tag und neue Aufgaben hier freue.

Alena Altmann
Bodelschwingh-Gymnasium Herchen

Christine Schäfer zu Gast beim Beethovenfest Bonn 2012

Träumerin mit eigenem Kopf
Von Markus Bruderreck

Schaefer-christine_c_bodo-vitus
Foto: Bodo Vitus

„Ich möchte, dass die Uhren stehen bleiben, wenn ich singe“ sagt Christine Schäfer. „Ich möchte einen Moment so intensiv gestalten, dass man hinterher nicht weiß, warum er so besonders ist.“ Das gelingt der Sopranistin immer wieder, sei es mit scharf konturierten Rollenporträts auf der Opernbühne oder mit facettenreichen Liedinterpretationen. Im Juni 2012 wird sie, gemeinsam mit der Filharmonica della Scala unter Leitung von Daniel Harding, bei einem Sonderkonzert des Beethovenfestes Bonn 2012 die „Vier letzten Lieder“ von Richard Strauss interpretieren. Von diesem Abend darf man viel erwarten. Aber auch schon früher hat das Publikum den Atem angehalten, wenn Christine Schäfer singt.

Im Musiktheater entstehen zuweilen magische Momente. Alles passt plötzlich zusammen: Regie, Musik, Bühne, Sänger – eine perfekte Einheit. So ist es auch im Sommer 2006 bei den Salzburger Festspielen, als dort die Premiere von Mozarts „Le Nozze di Figaro“ über die Bühne geht. „Ich werde ja immer noch auf den ‚Figaro’ angesprochen“, meint Christine Schäfer. „Ich weiß wirklich nicht, was da so besonders war an jenem Abend. Da schaust du selber als Letzte rein“. Kaum zu glauben, dass Christine Schäfer nicht geahnt hat, dass ihr in der Rolle des Cherubino ein überragendes Porträt dieses zerbrechlichen Heranwachsenden gelungen ist. Ihr zarter, aber auch lyrischer und wendiger Sopran passt dazu: Eine Stimme, so nuancenreich und ungekünstelt wie Christine Schäfer selbst. Nach der Salzburger „Figaro“-Premiere wird in der Presse ein Wettlauf der Primadonnen inszeniert – ihre Partnerin als Susanna ist Anna Netrebko. Eine Konkurrenz jedoch hat es nie gegeben. „Wir mögen einander“ meint Christine Schäfer. Und Anna Netrebko sagt über ihre Kollegin: „Für mich ist sie eine der vollendetsten Sopranistinnen unserer Zeit.“
Wenn etwas der 1965 in Frankfurt geborenen Christine Schäfer fremd ist, dann sind es die Allüren einer Diva. Bodenständiger ist wohl kaum eine der großen Sopranistinnen, die eine Weltkarriere hingelegt haben. Die großen Häuser hat Schäfer alle erobert, stehen sie nun in Salzburg, London, Paris oder in New York. Das klingt, als könne es ewig so weitergehen. Doch die Sängerin will den hochtourig laufenden Klassikbetrieb nicht so ohne weiteres bedienen, sich nicht anpassen. „Ich liebe jede Form von Unabhängigkeit“ betont sie. Und was bei anderen Künstlern nur Pose ist, bei ihr wird es Ernst.
Ihr Lebenslauf beginnt zunächst nicht spektakulär. Die Eltern erziehen ihre Töchter Christine und Susanne bürgerlich, Musik und Literatur spielen eine große Rolle. Bei Christine aber klappt die Schule nicht so gut, nach der 12. Klasse ist Schluss. Die Eltern schlagen ihr vor, in den heimischen Metzgereibetrieb einzusteigen. Fleischwurst über die Ladentheke zu reichen, auch das kann sich Christine Schäfer eine Zeit lang vorstellen: „Ich bin halt ein handwerklicher Typ“. Als Backfisch beginnt sie, zu komponieren. „Meine Eltern haben mich für bekloppt erklärt“, meint die Sängerin, ganz frei heraus. „Und ich habe ganz viele Noten geschrieben“. Die Beschäftigung mit der Materie führt dazu, dass Christine Schäfer eine enge Beziehung zur zeitgenössischen Musik entwickelt. Vor allem die Partie der „Lulu“ aus Alban Bergs gleichnamiger Oper liebt sie innig, immer wenn das Stück in Frankfurt auf dem Programm steht, ist sie im Opernhaus. Ihr musikalisches Rüstzeug erhält sie allerdings erst später, an der Berliner Hochschule für Musik. Sieben Jahre lang, von 1984 bis 1991, gibt ihr dort die Gesangspädagogin Ingrid Figur alles mit, was man für eine Karriere braucht. Auch andere Lehrer unterrichten sie, große Namen sind darunter wie Arléen Auger, Sena Jurinac und Dietrich Fischer-Dieskau.
Schon 1992 folgt das erste Opernengagement. Doch Christine Schäfer widmet sich auch einer Sparte, um die andere Sänger oft einen Bogen machen: dem Liedgesang. Hier liebt sie einen Ton, wie man ihn zum Beispiel in ihrer CD-Aufnahme von Schuberts „Winterreise“ hört: unmittelbar, schlicht und intim. Etwas anders wird Christine Schäfer wohl an die „Vier letzten Lieder“ herangehen. Richard Strauss hat sie zwar durchsichtig instrumentiert. Doch oft, wenn Christine Schäfer singt, müssen Dirigenten die Dynamik anpassen. „Wenn eine laute Stelle ist, muss das Orchester leise spielen. Weil ich meine Stimme nur bis zu einem gewissen Pegel produzieren kann“.
Dass es für Christine Schäfer nicht immer das gängige, klassische Repertoire sein muss, hat sie immer wieder bewiesen. „Ich kann diese Trennung von E- und U-Musik nicht mehr verstehen“, meint sie. Das Wort „Liederabend“ möchte die Sängerin in Zukunft ernst nehmen und auch alte deutsche Schlager aufs Programm setzen. Privat hört Christine Schäfer vor allem Rock, Pop und Hip-Hop, Madonna ist für sie „einfach Spitzenklasse“. Wenn der Unmut über den reglementierten Klassikbetrieb mit ihr durchgeht, fallen auch Sätze wie: „Ich kann mich nicht andauernd mit der Singerei beschäftigen. Das geht mir auf die Nerven.“ Stimmt: Die beiden Töchter Alva und Helena verlangen viel Aufmerksamkeit von ihr. Bei allem Frust über den künstlerischen Stand der Dinge, der manchmal aufkommt, weiß Christine Schäfer, dass sie einen himmlischen Job hat. „Man hat so Träume, als Kind, was man verwirklichen will. Und wenn man nicht aufhört, zu träumen, dann tut man es irgendwann. Das geht mir jetzt so.“

Samstag, 2.6.2012, 20 Uhr
Beethovenhalle
Filarmonica della Scala
Christine Schäfer Sopran
Daniel Harding Dirigent
Giuseppe Verdi: Ouvertüre zu „La forza del destino“ („Die Macht des Schicksals“)
Richard Strauss: Vier letzte Lieder
Antonin Dvorák: Symphonie Nr. 8 G-Dur
Euro 95 I 80 I 66 I 49 I 39

Beethovenring 2011 für Přemysl Vojta

Premysl-vojta_c_nn-2011_500x600px
Mit einer beachtlichen Mehrheit haben die „Bürger für Beethoven“ Přemysl Vojta, den  Solohornisten der Staatkapelle Berlin, zum Träger des Beethovenrings 2011 gewählt.
Vojta, der 1983 in Brno geboren ist, wird damit für seinen beeindruckenden Auftritt vom
9. Oktober 2011 beim Bonner Beethovenfest geehrt. Mit dem Beethovenring, der von den Juwelieren  Sabine und Martin Schmid gestiftet wird, zeichnen die „Bürger für Beethoven“ seit 2004 jeweils einen der fünf jüngsten Beethoven-Interpreten des Beethovenfestes aus.

Přemysl Vojta ist ein begeisterter Kammermusiker, der jedoch auch über reiche Orchestererfahrungen verfügt aus seiner Tätigkeit bei der Sächsischen Staatskapelle Dresden, beim Gustav Mahler Jugendorchester, bei der Tschechischen Philharmonie sowie der Prague Philhamonia. Im September 2010 konnte er sich beim  ARD-Musikwettbewerb in München gleich drei Preise sichern.

Der Beethovenring 2011 wird Přemysl Vojta am Freitag, dem 20. April 2012 im Rahmen eines Benefizkonzertes vom Vorsitzenden der „Bürger für Beethoven“ im Kammermusiksaal des Beethoven-Hauses übergeben. Vojta präsentiert, begleitet von Tomoko Sanwano am Klavier, Werke von Luigi Cherubini, Volker David Kirchner und Ludwig van Beethoven.
Das Konzert beginnt um 19.30 Uhr. Karten sind erhältlich über Bonnticket, u.a. in den Geschäftsstellen des General-Anzeigers. Restkarten an der Abendkasse.

Frohes neues Jahr 2012!

Dokument
"O möchte doch Dein Glück / Ganz meinen Wünschen gleichen! / Dann würde es dis Jahr, / Das höchste Ziel erreichen. / Dis hoft recht herzlich / Ihre Freundin Lorchen / Breuning." -  Neujahrsgruß an Ludwig van Beethoven um 1790

Quelle: Beethoven-Haus Bonn